Kategorie: Familie & Elternsein

  • Leistungsdruck bei Kindern – wann haben wir vergessen, dass sie noch Kinder sind?

    Leistungsdruck bei Kindern – wann haben wir vergessen, dass sie noch Kinder sind?

    Gestern hatten wir ein Gespräch mit der Lehrerin unserer Tochter.

    Sie hat unsere Tochter sehr gelobt. Für ihre Leistungen, aber vor allem für etwas anderes: Sie gehe sehr entspannt mit Prüfungen um. Kein Stress, keine Angst, kein Druck.

    Das hat mich gefreut. Offenbar schaffen wir es, unserer Tochter keinen Leistungsdruck zu vermitteln. Weder bewusst noch unbewusst.

    Aber gleichzeitig hat mich dieses Gespräch auch nachdenklich gemacht.

    Denn ich weiß, dass es nicht überall so ist.

    Ich kenne Kinder, die bereits in der 4. Klasse Nachhilfe bekommen, nur damit die Noten reichen, um aufs Gymnasium zu kommen.

    Kinder, die während einer Prüfung anfangen zu weinen, weil sie bei einer Aufgabe nicht weiterkommen.

    Kinder, die in Tränen ausbrechen, weil sie eine Vier bekommen haben.

    Wenn man sich das vor Augen führt, wird eines deutlich: Der Leistungsdruck beginnt heute extrem früh.

    Natürlich wünschen sich Eltern das Beste für ihre Kinder. Das ist völlig normal. Jeder möchte, dass sein Kind gute Chancen hat, seinen Weg findet und später einmal ein erfülltes Leben führen kann.

    Aber manchmal scheint es, als würden wir dabei vergessen, dass unsere Kinder noch mitten in ihrer Kindheit stecken.

    Kinder sollten Fehler machen dürfen. Sie sollten ausprobieren dürfen. Sie sollten auch einmal scheitern dürfen, ohne Angst zu haben, dass davon ihre Zukunft abhängt.

    Eine schlechte Note entscheidet nicht über ein Leben.

    Was Kinder wirklich brauchen, ist etwas anderes:

    Sicherheit. Vertrauen. Und Eltern, die ihnen vermitteln: Du bist wertvoll, unabhängig von deiner Leistung.

    Ironischerweise lernen Kinder gerade dann oft am besten, wenn der Druck fehlt. Wenn sie neugierig sein dürfen statt perfekt sein zu müssen.

    Vielleicht sollten wir uns deshalb manchmal eine einfache Frage stellen: Geht es uns wirklich um das Wohl unserer Kinder? Oder manchmal auch um unsere eigenen Erwartungen?

    Denn am Ende erinnern sich Kinder selten daran, welche Note sie in der vierten Klasse in Mathe hatten.

    Aber sie erinnern sich sehr wohl daran, ob sie sich geliebt und akzeptiert gefühlt haben.